Die Erfindung der Renaissance ist eng mit der Stadt Florenz verbunden. Hier versammelten sich um im 14. und 15. Jahrhundert eine Reihe hochrangiger Künstlerpersönlichkeiten mit bis heute klingenden Namen wie Giotto di Bondone, Filippo Brunelleschi, Donatello, Fra Angelico, Paolo Ucello, Massacio, Fra Filippo Lippi, Sandro Botticelli und Domenico Ghirlandaio. Sie alle arbeiteten mit an der grundlegenden Neuausrichtung der Kunst vor dem Hintergrund von Humanismus und Antikenrezeption und dem Bruch mit mittelalterlichen Bildtraditionen – und bezogen sich doch zugleich darauf. Man wendet sich vom Goldgrund ab und lässt ihn in prächtigen Textilien und Heiligenscheinen weiterleben. Man interessiert sich für konkrete Räumlichkeit und Architektur und schafft puppenhausähnliche Verschachtelungen und bühnenhafte Inszenierungen. Das Seminar verfolgt darum eine doppelte Blickrichtung: auf die grundsätzlichen Neuerungen und Innovationen wie zugleich auf Kontinuitäten und Verschiebungen, die jene Werke vornehmen, die man seit dem 19. Jahrhundert als Renaissancekunst bezeichnet. Wie entfaltet sich der Raum in völlig neuer Weise? Welches Menschen- und Körperbild ist vorherrschend? Welche Rolle und Aufmerksamkeit kommt der Natur zu und welche Vorstellungen von Natur sind bestimmend? Und wie werden all diese neuen Paradigmen visuell umgesetzt? Dabei wird sich auch herausstellen, wie grundlegend transkulturell diese Epoche verfasst ist, die immer noch als Geburtsstädte einer genuin europäischen Kunst gilt.