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Seminar

Verstörende Filme: Zwischen Lust und Abscheu – Wenn Kino zu viel wird.

2 SWS WiSe 2025/26 #425250017

Fr. 15:15 bis · Einzel

Description

In diesem Seminar untersuchen wir ein Kino, das normalerweise eher abseits akademischer Disziplinen existiert und von der Filmgeschichtsschreibung lange Zeit und zu einem großen Teil immer noch nahezu unbeachtet – obgleich kommerziell oft sehr erfolgreich – geblieben ist. Es geht um ein Kino der Erregung, des Exzesses, der Schaulust, der Attraktion, aber auch des Unbehagens. Wir wollen uns Filme anschauen, die sich durch explizite oder verstörende Darstellungen von Sexualität, Gewalt, Körpern und auch moralischen Grenzüberschreitungen auszeichnen. Dazu gehören Filmgattungen, wie sie Linda Williams in ihrem wichtigen Aufsatz "Film Bodies: Gender, Genre, and Excess" beschreibt. Solche Filme operieren oft nicht so sehr auf der Ebene des Erzählens, sondern zielen auf körperliche Reaktionen: Schweiß, Tränen, Schreie, Erregung, Ekel. Neben Linda Williams bildet einen zweiten theoretischen Background des Seminars Laura Mulveys Text "Visual Pleasure and Narrative Cinema" (1975), in dem sie eine signifikante Spannung zwischen Narration und visueller Lust im Kino markiert. Das verstörende Kino, dem wir uns im Seminar widmen, treibt diese Spannung auf die Spitze: Es entkoppelt Lust und Narration, setzt Bilder des Körpers (häufig weibliche Körper) ohne traditionelle narrative Einbettung ein oder zerstört die Handlung bewusst, um den Blick der Zuschauer*innen anzuziehen oder zu verstören. Tom Gunning schließlich hatte 1986 in einem Aufsatz das dritte für das Seminar wichtige Schlagwort vom Cinema of attractions („Kino der Attraktionen”) geprägt. Wenn auch Gunning das frühe Kino in Augenschein nahm, so hat er doch einen Aspekt erfasst, der das Kino immer begleitet hat, insbesondere in solchen Filmen, wie wir sie im Seminar anschauen wollen. Mit Gunning, Mulvey und Williams – und anderen Texten, die im Seminar eigenständig recherchiert werden sollen – wollen wir einen akademischen Zugang zu solchen verstörenden Filmen finden, indem wir anhand von acht Beispielen ihren Entstehung- und Rezeptionskontext erforschen und analysieren, wie diese Filme unsere Sehgewohnheiten irritieren, überfordern oder auch entlarven.Fragen des Seminars:-          Was verstört uns an den verstörenden Filmen?-          Wie erzeugen "Body Genres" körperliche Reaktionen – und warum gelten sie als „niedrig” oder „exzessiv”?-          Wie hängen narrative Struktur und visuelle Lust zusammen – oder lösen sich voneinander?-          Welche Gender- und andere Politiken sind in der Darstellung von Sex und Gewalt eingeschrieben?-          Was sehen wir, wenn wir nicht mehr wegblicken?Teilnahmevoraussetzung: Bereitschaft zur Sichtung von verstörenden Filmen aus den Genrebereichen Gewalt, Sex, Exzess und Horror. Interesse an theoretischer Reflexion und der Auseinandersetzung mit explizitem audiovisuellem Material.Es ist ein Seminar in Kooperation der Bauhaus-Universität Weimar und der Universität Erfurt!Bemerkung: Bei der dauerhaften Teilnahme am Kurs ist die Anmeldung im zugehörigen Moodle notwendig.

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