Wie wird das Soziale konstituiert? Die Relationale Soziologie nimmthierzu eine klare Position ein: Sie basiert auf einem dynamischen undprozesshaften Verständnis sozialer Beziehungen. Das sozialeMiteinander, Füreinander und Gegeneinander kann nur unterBerücksichtigung seiner Relationalität verstanden und erklärt werden.Zwar weisen bereits soziologische Klassiker auf die Bedeutung vonWechselwirkungen und Beziehungsgeflechten hin, jedoch ist es ersteine Entwicklung der jüngeren Zeit, dass damit auch einekonsequente Abwendung von substanzialistischen Konzepten undAnnahmen verbunden ist. In den entsprechenden Sozial- undGesellschaftstheorien wird die Relationalität zentral gestellt:Gesellschaften beinhalten keine Relationen, sondern sind selbst alsRelationen zu verstehen; Subjektpositionen werden erst in und durchRelationierungen eingenommen; Handlungsmacht wird netzwerkartigzwischen Menschen und Nicht-Menschen verteilt; Wissen resultiertaus Relationen; und auch kommunikatives Handeln lässt sich nur mitVerweis auf situative Verflechtungen angemessen beschreiben.In diesem lektürelastigen Seminar werden sowohl klassische (z. B.Simmel, Elias, Mannheim) als auch neuere Texte und Theorien (z. B.Crossley, Donati/Archer, Seyfert) besprochen, welche sich mit derRelationalität des Sozialen befassen. Dadurch sollen sich dieStudierenden die Grundlagen der Relationalen Soziologie erschließenund kritisch mit ihnen auseinandersetzen können. Verdeutlichtwerden unter anderem die Unterschiede zwischen der humanistischrealistischenund der radikalen Relationalen Soziologie sowie dieEinflüsse des Medienwandels auf gesellschaftliche Gefüge. Zudemwerden Anschlüsse und Abgrenzungen zu relational angelegtenMedientheorien und insbesondere auch zur Medienanthropologiediskutiert.